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Förderung des ländlichen Raums

Die Entwicklung und Stärkung des ländlichen Raums sehen EU und Mitgliedstaaten als ein zentrales Aufgabenfeld. Die Politik für den ländlichen Raum verfolgt dabei drei übergeordnete Ziele:

  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft durch Förderung der Umstrukturierung, der Entwicklung und der Innovation,
  • Verbesserung von Umwelt und Landschaft,
  • Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum und Förderung der Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft.

Im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) wird - mit zusätzlichen Kofinanzierungsmitteln des Bundes und / oder der Länder - ein breites Spektrum an Entwicklungsmaßnahmen gefördert, die dem gesamten ländlichen Raum und der dort ansässigen Bevölkerung zu Gute kommen.

Die Fördermaßnahmen richten sich nicht nur an Land- und Forstwirte oder Waldbesitzer, sondern auch an viele andere Akteure im ländlichen Raum (z. B. Kommunen, lebensmittelverarbeitende Betriebe, etc.). Nähere Einzelheiten, insbesondere die Angebote der einzelnen Länder, können auf der Internetseite www.netzwerk-laendlicher-raum.de eingesehen werden.

Der weitaus größte Teil der ELER-Mittel in Deutschland fließt in folgende Förderbereiche:

Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete

Mit der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete werden die natürlichen, standortbedingten Nachteile bestimmter Regionen - wie z. B. schlechte Ertragslage, Steillagen mit ungünstigen und aufwändigen Bewirtschaftungsbedingungen - gegenüber den Gunstlagen ausgeglichen. Mit diesem Ausgleich wird die flächendeckende Landbewirtschaftung und damit auch die Erhaltung der Kulturlandschaft unterstützt. Durch diese Maßnahme werden landwirtschaftliche Betriebe sowie die Arbeitsplätze im vor– und nachgelagerten Bereich gesichert.

Häufig sind die von den Standorteigenschaften benachteiligten Gebiete jedoch touristisch geprägt. In diesen Gebieten besitzt die Kulturlandschaft durch den Wechsel von Feldern, Wiesen, Wald und vielen landwirtschaftlichen Kulturen in der Regel einen besonderen landschaftlichen Reiz, den es zu erhalten gilt und der eine Leistung für die Gesellschaft darstellt. Diese Leistung wird von den dort wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betrieben erbracht. Ohne Landbewirtschaftung wären die Einkommen und Arbeitsplätze aus dem Tourismus nicht mehr gesichert und somit der ländliche Raum als Lebens- und Arbeitsumfeld unattraktiv. Zunehmend stellen diese weichen Standortfaktoren im ländlichen Raum gerade wichtige Kriterien für die Ansiedlung von Unternehmen und für die Wahl des Wohnortes dar.

Agrarinvestitionsförderung

Investitionen in Gebäude, bauliche Anlagen und technische Einrichtungen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Unternehmen zu stärken, Arbeitsprozesse zu erleichtern, tiergerechte Haltungsverfahren zu etablieren und Lebensmittel aus heimischer Erzeugung zu angemessenen Preisen zur Verfügung stellen zu können. Diese Investitionen sind sehr kostspielig und können von den Betrieben oft nicht aus eigener Kraft finanziell getragen werden. Von der Investitionsförderung profitiert insbesondere auch die mittelständische Wirtschaft im ländlichen Raum, die die Investitionsaufträge vorrangig ausführt.

Durch die Agrarinvestitionsförderung entstehen auch für die kommende Generation in der Landwirtschaft Perspektiven und Anreize zur Weiterbewirtschaftung. Die Agrarinvestitionsförderung umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen zur Sicherung und Schaffung von langfristig wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen im ländlichen Raum.

Neben den Investitionen in die Kernbereiche der Landwirtschaft (Stallbaumaßnahmen, Lager, etc.) gewinnen Maßnahmen zur Diversifizierung von Einkommen landwirtschaftlicher Familien (z. B. Hofläden, Dienstleistungseinrichtungen), die Umnutzung erhaltenswerter Bausubstanz mit ihrem oft das Ortsbild prägenden Charakter, die Einrichtung von Nahwärmenetzen oder Maßnahmen zur Förderung einer naturnahen Waldbewirtschaftung immer mehr an Bedeutung.

Maßnahmen zur Marktstrukturverbesserung

Die Marktstrukturförderung zielt darauf ab, die Gründung und die Arbeit von Erzeugerzusammenschlüssen zu unterstützen sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu verbessern, um auf diese Weise zur Absatzsicherung oder zur Schaffung von Erlösvorteilen auf Erzeugerebene beizutragen.

Agrar- und Waldumweltmaßnahmen

Über Agrar- und Waldumweltmaßnahmen werden freiwillige Umweltleistungen von Landwirten und Waldbesitzern sowie sonstigen Land- und Waldbewirtschaftern honoriert, die nicht über die auf dem Markt erzielbaren Produktpreise abgegolten werden.

Ziele der Programme sind insbesondere:

  • die Förderung der Biodiversität,
  • die Erhaltung und die Verbesserung der biologischen Vielfalt,
  • der Schutz des Bodens vor Erosion,
  • die Verbesserung des Gewässerschutzes,
  • die Förderung von Maßnahmen zum Klimaschutz sowie
  • die Gestaltung einer attraktiven Kulturlandschaft.

Betriebe, die an Agrar- und Waldumweltmaßnahmen teilnehmen, erhalten daher einen finanziellen Ausgleich, um die bei besonders umweltfreundlichen Produktionsmethoden entstehenden Mehrkosten oder die durch Ertragsminderungen entstehenden Einkommensverluste zu kompensieren.

Durch weitere Agrarumweltmaßnahmen werden die Landwirte bei der Einführung neuer Verfahren, die insbesondere in der Anfangsphase meist aufwändig und risikobehaftet sind, unterstützt. Weiterhin wird die Erhaltung von historischen Nutztierrassen und Kulturlandschaftselementen gefördert, deren Erhaltung unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr attraktiv ist.

Die Umstellung auf ökologischen Landbau stellt eine bundesweit bedeutende Maßnahme dar. Der ökologische Landbau ist eine besonders umweltverträgliche und ressourcenschonende Wirtschaftsform, die sich in besonderem Maße am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert. Darüber hinaus leistet der ökologische Landbau einen Beitrag zur Pflege und zum Erhalt der Kulturlandschaft. Ziel der Förderung ist es, einen möglichst weitgehenden Ausgleich der durch die Umstellung der Bewirtschaftungsform bedingten erhöhten Kosten und der Einkommensverluste zu gewähren. Dem ökologischen Landbau kommt damit unter den Agrarumweltmaßnahmen eine besondere Bedeutung zu.

Alle flächenbezogenen Maßnahmen für den ländlichen Raum sind genau wie die Direktzahlungen an Auflagen aus dem EU-Fachrecht (Cross-Compliance-Regelungen) gebunden. Das bedeutet, dass auch hier Beihilfekürzungen greifen, wenn bei Kontrollen festgestellt wird, dass nicht alle relevanten Standards in den Bereichen Umweltschutz, Tierschutz und Verbraucherschutz von den Betriebsleitern beachtet wurden.

Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes

Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege tragen dazu bei, die naturschutzfachlichen Zielsetzungen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Landwirten sowie anderen Maßnahmeträgern zu erreichen. Schwerpunkt bei der Förderung ist insbesondere das europäischen Schutzsystem Natura 2000 und der Aufbau von weiteren Biotopverbundsystemen.

Die angebotenen Maßnahmen sichern und verbessern den Zustand und die Vielfalt an schutzwürdigen Lebensräumen und heimischen Tier- und Pflanzenarten (Biodiversität). Sie erhalten und gestalten naturnahe Gewässer und Biotope, ermöglichen die Ausarbeitung von Schutz- und Bewirtschaftungsplänen für Gebiete mit hohem Naturwert und leisten somit einen wichtigen speziellen Beitrag zur Erhaltung und ggf. Wiederherstellung des ländlichen Natur- und Kulturerbes.

Integrierte ländliche Entwicklung

Maßnahmen der Integrierten ländlichen Entwicklung (z. B. Konzepte, Flurneuordnung, Dorferneuerung) stärken nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Forstwirtschaft und tragen wirkungsvoll zur Schaffung vitaler Dörfer und Gemeinden und zukunftsfähigen ländlichen Räumen bei.

Leader

Die bisherige Gemeinschaftsinitiative Leader ist seit 2007 als einer von vier Förderschwerpunkten in den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) eingebettet. Leader wird auf kleinere, abgegrenzte Gebiete des ländlichen Raums bezogen durchgeführt (Leader-Aktionsgebiete), die unter geographischen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten eine Einheit bilden und Verwaltungsgrenzen übergreifend angelegt sind.

Leader ermutigt ländliche Gebiete, neue Wege zu erkunden und Strategien zu entwickeln, um im Wettbewerb der Regionen wettbewerbsfähig zu werden oder zu bleiben. Ziel ist es, die bestehenden Potentiale auszuschöpfen (z. B. durch die Entwicklung von Wertschöpfungsketten und regionale Herausforderungen) zu meistern (z. B. Altern der Bevölkerung, geringes Dienstleistungsangebot).

Zentrale Elemente sind sektorübergreifende Ansätze, Nachhaltigkeit, Innovation, Zusammenarbeit, Vernetzung und eine aktive Bürgergesellschaft, die nach dem „Bottom-up-Prinzip“ Gelegenheit hat, ihre Interessen einzubringen. Dazu erarbeiten lokale öffentlich-private Partnerschaften (sogenannte Lokale Aktionsgruppen) für ihr Gebiet integrierte ländliche Entwicklungskonzepte und wählen Projekte zu deren Umsetzung aus.

Auf diesem Weg trägt Leader zur Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Gebieten bei. Für den Zeitraum 2007 - 2013 wurden in Deutschland 243 Leader-Aktionsgruppen ausgewählt.

Küstenschutz und Hochwasserschutz

An den Küsten und für die vorgelagerten Inseln bildet der Schutz vor Sturmfluten und Küstenerosion eine unverzichtbare Voraussetzung für die Erhaltung der Lebensgrundlagen der hier lebenden Menschen. Der Küstenschutz an der offenen Festlandsküste und den Tideflüssen wird über Hauptdeiche und Sperrwerke als Sturmfluten abwehrende Schutzelemente sichergestellt. Dabei bilden Hauptdeiche und Dünen den Sturmflutschutz. Eine wichtige Rolle kommt den Deichvorländern und den Schutz- und Sicherungsanlagen der Hauptdeiche und Dünen zu. In der Gesamtwirkung bilden diese Elemente ein gestaffeltes Schutzsystem für den Küstenbereich.

Hochwasserschutz im Binnenland dagegen ist insbesondere eine wichtige Vorsorgeaufgabe zur Erhaltung und Entwicklung des ländlich geprägten Lebens- und Wirtschaftsraums. Zum wirksamen Schutz vor Hochwasser werden neben technischen Hochwasserschutzmaßnahmen auch verstärkt Maßnahmen zur Verbesserung des natürlichen Hochwasserrückhaltes und der Flächenvorsorge sowie zur Gewässerrenaturierung und -entwicklung ergriffen. Ziele sind neben der standortgerechten Landnutzung und Flächenbewirtschaftung insbesondere die Renaturierung von Bach- und Flussauen und ihr Erhalt, die Sicherung des Hochwasserschutzes und die Wiederherstellung natürlicher Retentionsflächen in Bach- und Flussauen.

Finanzielle Förderung des Privat- und Körperschaftswaldes

Ein wesentliches Ziel der Privat- und Körperschaftswaldförderung ist, den Aufbau stabiler, standort- und funktionsgerechter Mischbestände zu unterstützen. Die Schaffung zukunftsfähiger Wälder hat vor dem Hintergrund der Klimaänderung mit all ihren auch für die Wälder bedrohlichen Auswirkungen zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Der Umbau gefährdeter Waldbestände ist zur Hauptaufgabe der forstlichen Förderung geworden. Begleitet wird dies durch eine notwendige Erschließung der Waldflächen mit LKW-fahrbaren Forststraßen.

© Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung